Was mir auf der Seele liegt

Der Einsatz auf der orthopädischen Station war mir ein Leichtes. Für den Anfang meiner Zivildienstzeit hatten sie mir eine Station zugeteilt, auf der es nicht sehr viel zu tun gab. Es ging um irgendwelche Brüche oder Hexenschüsse, meistens waren die Patienten nach drei Tagen wieder weg, nichts Gravierendes. Wir hatten Frauen und Männer auf der …

Mon Dieu!

  101 paranoide Polizeikontrollen. Folge Eins. Paris. Wir waren in meiner Badewanne unterwegs. Der Kadett hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Wanne und fuhr sich manchmal auch so, als ob eine gewaltige Menge an Wasser, die sich während der Beschleunigungs-, Lenk- und Bremsvorgänge ihren Weg suchte, bewegt werden musste. Wenn man anfuhr, brauchte er eine …

Ingo

Bild: By Amanda Fjordell – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30324516   Sie standen meist in Gruppen um den Brunnen am Marktplatz herum. Bunte Haare, Sicherheitsnadeln in den Ohren, Zerschlissene Lederjacken, zerrissene Jeans und mindestens einer hatte eine Ratte mit, vorzugsweise in Labor-weiß, die er über den Arm laufen ließ, über den Nacken oder in den …

Da geht’s lang!

Samstag. Studiere den Terminkalender. Ganz schön was los, wie immer. Könnte heute zum Tantraworkshop gehen. Kostet nix. "Kein Sex" steht da. Nö, dann nicht. Im buddhistischen Zentrum werden Meditationen angeboten. Einführungsseminar. In meinem Kopf stellen sich Bilder von ganz lange still sitzenden Mönchen ein. Sitzen da so rum. Einer sagt was, was man nicht versteht. …

Samstagnachmittag

  Wir trugen das ganze Zeugs in den LKW. Vorratsschränke, Sessel, Couchtisch, Regale, Teppich, Bett, alles was so übrig bleibt und keiner mehr haben wollte aus einer Wohnung, in der jemand verstorben ist. Ich kannte sie nur flüchtig. Sie war irgendwie um drei Ecken mit mir verwandt, aber ich bin mir heute nicht mal sicher, …

Alles wie immer

Mittags entdeckte ich das Konzertplakat für den Abend. Django Edwards, der rockende Clown war in der Stadt! Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Also rief ich den Metzger an, wir kauften uns Tickets und sattelten die Räder, denn es stand völlig außer jeder Diskussion, dass wir diesen Abend nüchtern verbringen würden. Nicht bei Django. …

Ein lichter Moment

  Die Stadt war übersichtlich. Mit jedem Schultag lernte ich meine Pappenheimer besser kennen. Auf dem Nachhauseweg hatte ich meist noch was vom Schulbrot übrig und nicht selten sogar eine komplett eingewickelte und liebevoll verpackte Stulle, die ich nicht wieder nach Hause schleppen wollte. Denn das gab meist unangenehme Rückfragen, denen ich mich entziehen wollte. …

Frechheit siegt

Die Auswahl war nicht groß. Entweder sollte ich in einem Rettungsfahrzeug mitfahren, was ich mir auf die Dauer langweilig vorstellte oder in der Uniklinik meinen Zivildienst leisten. Universitätsklinikum! Das hörte sich mächtig nach was an. Ich stellte mir vor, wie die Chirurgen diskutierten, bevor sie jemanden in Stücke schnitten: "Hey, müsste das nicht von hinten nach vorne geschlitzt …

Das ganz große Ding

Man konnte Opas Husten in der ganzen Wohnung hören. Ich lag um fünf Uhr früh noch im halben Tiefschlaf und am Küchentisch kotterte er, als ob er beschlossen hätte, sich sofort ins Grab zu husten. Immer wieder hob er an. Energisch drückte er den Dreck aus der Lunge, den er sich sein Leben lang angeraucht hatte. …