Zehn Monate vor elf Jahren

Dresden im Januar 2008. Da lag ein verdammt großer Haufen Arbeit. Ich karrte meinen ganzen Besitz quer durch Deutschland, suchte mir eine Bleibe, zog ein und legte mit dem Schreiben los. Ein Parteifreund des Bürgermeisters hatte das Sagen. Vom Schach verstand er nichts. Als erste Handlung stellte er seinen Freund ein, der von irgendwas eine Ahnung …

Der große Knall

  Wir waren beide jung. Ich war neunzehn und hatte von nichts eine Ahnung, aber hielt mich für unsterblich cool und wahrscheinlich war ich das auch. Marie war achtzehn. Ihre Kurven waren so wunderbar wie die des alten Käfers, mit dem wir Italien entdeckten. In Rom brachten wir es fertig, unseren gesamten Besitz samt unserer …

Volltreffer

Ich verbrachte meine Kindheit zu großen Teilen auf einem Campingplatz. Nicht an spanischen Urlaubsstränden, wo man mit dem Wohnwagen bis zur Mittelmeerküste zog, um dann immerhin in der Hüttendisco die Dorfschönheit von irgendeinem Kaff in Niedersachsen kennenzulernen. Nein, ich rede von einem feststehenden Wohnwagen auf einem Dauercamperplatz – und das nicht nur in den Ferien, …

Blaues Wunder

  "Dresden hat mir große Freude gemacht und meine Lust, an Kunst zu denken, wieder belebt. Es ist ein unglaublicher Schatz aller Art an diesem schönen Orte."  Johann Wolfgang von Goethe In Dresden zu leben, war kein Unglück. Es hat mich nicht übellauniger gemacht, nicht deprimiert und fetter bin ich auch nicht geworden. Aber nachdenklicher. …

Die drei Klassiker

Die Stadt aus der ich bin, bemühte sich stets redlich, was zu bieten, aber irgendwie war das doch sehr übersichtlich. Für jemanden wie mich, der an allem interessiert war, solange es nichts oder nur wenig kostete, war es mühsam. Die Stütze ging für Miete, Lebensmittel und allerlei berauschender Substanzen drauf und neben Straßenfestival und Gartenfesten …

Das goldene Hinkelsnest

Neulich sah ich mir den „goldenen Handschuh“ an. Ein Film über den Psychopathen Honka, der in den 70ern mehrere Frauen kalt machte, um sie dann in Einzelteilen in die Gauben seiner Dachstube zu stopfen. Vermutlich war ihm das Rausschleppen der Leichenteile zu mühsam. Das erinnerte mich schlagartig an alte Zeiten. Nicht etwa, dass ich dazu …

Things that make you go hmmh

Okay, es ist nun mal so. Das Leben läuft größtenteils digitalisiert ab und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, hat uns das nicht gerade weitergebracht. Ganz im Gegenteil. Was uns das Leben erleichtern sollte, hält uns auf, weil wir ständig damit beschäftigt sind, uns selbst zu organisieren. Unsere Selbstverwaltung, inklusive Online Shopping, Facebook, Instagram …

Daumen im Wind

Ich hasste diese Termine auf dem Arbeitsamt. Aber ich musste dahin, wenn ich meine Bleibe und das bisschen Geld nicht verlieren wollte. „Bringen Sie Ihr Ausweisdokument mit“, stand da immer. „Ich möchte mit Ihnen über Ihre Beschäftigungssituation reden“. Es waren die Achtziger. Es gab keine Beschäftigung. Es gab oft genug nicht mal eine Situation. Man …