Der Name der Schreibkrise

Der Name der Schreibkrise

Kuriere gerade meinen Muskelkater nach dem Umzug aus. Der hält jetzt schon sieben Tage an. Um ganz genau zu sein, kuriert er sich von selbst aus. Einfach abwarten, sage ich mir. Das kann ich ganz gut. Hartnäckig abwarten. Ich muss mir das mit den Umzügen künftig leichter machen. Wenn ich alles, was ich seit einem Jahr nicht mehr in der Hand hatte, nicht mit umziehen müsste, hätte ich jetzt auch gar keine Schmerzen. Wie viele Dinge zum Vorschein kommen, wenn man mal alles in die Hand nimmt!

 

Schließlich gehöre ich inzwischen zu den 5% der Bevölkerung, die mehr als zehn Mal im Leben umziehen. In dieser elitären Gruppe bin ich steil auf dem Weg nach ganz oben. Vierzehnte Wohnung. Allein in Berlin ist es meine vierte Unterkunft im vierten Bezirk. Angenommen, ich schaffe die restlichen acht auch noch, käme ich auf zweiundzwanzig. Sollte ich achtundachtzig werden, lässt sich das sauber auf je vier Jahre teilen. Die letzte Wohnung wird dann für immer sein. In the Summer of Eighty-Nine. Im Souterrain. Da brauche ich dann auch viel weniger Platz. 

 

Der Durchschnitt meiner verfügbaren Wohnfläche ist ohnehin erstaunlich klein. Knapp 37 qm standen mir zur Verfügung. Die Ein-Zimmer-Wohnung, in die ich hineingeboren wurde und die ich mit meinen Eltern teilen musste, drückt den Schnitt nach unten. In der darauf folgenden Drei-Zimmer-Wohnung warfen wir Papa aus der Wohnung – dann ging es wieder. Das Zimmer im Wohnheim war mit zwölf Quadratmetern auch nicht gerade üppig, aber wesentlich ist, was man draus macht. Im Verhältnis zur Anzahl der stattfindenden Parties, die damals noch Feten hießen, war jeder kleinste Fleck darin ordentlich belegt. Man glaubt es gar nicht, wie viele Menschen in einen so kleinen Raum passen.

 

Auch sonst schadet so ein Wohnheimzimmer jeder Statistik. Gemeinsam mit meiner einzigen Hochhauswohnung hebt sie den Geschosshöhenschnitt auf Zweikommadrei. Aber eigentlich komme ich bereinigt nur auf 1,67 Etagen. Einmal war die Wohnung so klein, aber auch so niedrig gelegen, dass ich den Gehweg als Terrasse gleich mit nutzte. Da lernte man wenigstens mal die Nachbarn kennen, so auf dem Sofa vor dem Eingang. Jetzt bin ich wieder im Dritten und kann die Stufen rauf und runter in Ruhe für den nächsten Umzug trainieren.

 

Wünsche frohe Weihnachten!

 

 

 

 

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