Hit the road, Buchhalter (8)

Hit the road, Buchhalter (8)

Aus der Serie: Die Abenteuer mit dem Buchhalter; Teil 8: Die Polizei, Dein Freund und Helfer

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Weißt Du, was ich komisch finde?“ Der Buchhalter sah zu mir rüber. „Immer wenn wir vom Dämmen aus Amsterdam zurückkommen, machen sie uns die Karre links. Nur dieses Mal nicht. Ich hab' das richtig vermisst“. „Stimmt. Ist mir gar nicht aufgefallen. Aber jetzt, wo Du es sagst…“. Ich dachte darüber nach, ob das ein gutes Omen sei. Es war ja wirklich so. Ich hatte schon alles Mögliche ausprobiert, damit sie uns nicht anhalten. Doch jedes Mal ging es schief. Eine Zeit lang fuhr ich forsch bis zum Grenzbaum vor, um kurz die Hand zum Gruß zu heben und wie selbstverständlich darauf zu warten, dass die Schranke hochgeht. Aber natürlich kamen sie angewetzt, sobald sie meine Badewanne sahen. Die Kadetts, die ich fuhr, hatten allesamt zwanzig oder mehr Jahre auf der Haube und so sahen sie auch aus. Aus der Sicht eines motivierten Grenzers waren wir mit unseren Bärten, Hüten und wilden Frisuren ein gefundenes Fressen. Da muss einfach was zu holen sein, dachten sie sich wohl, während sie neben uns die dicksten Karossen, fettesten Volvos und größten Mercedes einfach so durchwinkten. Immer. Nur dieses eine Mal hatten wir Glück. Seltsam. Vielleicht lag es daran, dass der Buchhalter am Steuer saß. Er fuhr einfach so erbärmlich schlecht und in ruckartigen Intervallen, dass sie sich dachten, wir hätten mit uns genug zu tun. Selbst, als er kurz vor dem Zoll heftig in Fahrt kam, machten sie keine Anstalten. Ein anderes Mal schafften wir es so auch, aber dann kamen sie uns sogar nachgefahren, um die Karre auf links zu drehen. Über all das dachte ich nach, als wir früh morgens durch die Straßen unserer Stadt rollten, vollkommen übermüdet, aber mit einem ordentlichen Vorrat an feinstem roten Libanesen, den wir in einem der Coffeshops namens Grashopper zu einem äußerst fairen Preis erstanden hatten. Wir waren keine fünfhundert Meter mehr von des Buchhalters bescheidener Hütte entfernt, in dem seine hungrige Katze vermutlich vor Wut tobte, als wir geradewegs in eine Verkehrskontrolle fuhren.

 

Ich hatte noch nie eine Kontrolle an dieser Kreuzung unserer Stadt gesehen. Ich hatte auch noch nie eine Kontrolle um diese Uhrzeit gesehen und ich hätte nie erwartet, dass sie morgens um halb sechs in Mannschaftsstärke rumstehen, um andere von der Arbeit abzuhalten oder wie in unserem Fall, vom Füttern des Buchhalters' Katze. „Na also“, sagte ich, „da haben wir's. Als Dein Anwalt rate ich Dir, anzuhalten, falls sie uns rauswinken.“ Natürlich winkten sie uns raus. Es war sonst niemand unterwegs. Der Buchhalter drückte hektisch seine Kippe in den Aschenbecher, fuhr erst mit heulendem Motor auf sie zu und kam dann mit einer Vollbremsung direkt vor dem Mann mit der Kelle zum Stehen. „Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs“, rief er durch die geschlossene Scheibe raus. Sie wollten unsere Papiere sehen. Wir begannen synchron, danach zu wühlen. Man rechnet so kurz vor dem Ziel einfach nicht mit Ärger und so entspannt, wie wir uns gerade noch fühlten, so unentspannt wurde es genau jetzt. Ich fand meinen Reisepass nicht und der Buchhalter suchte seinen Führerschein. Die Selbstgedrehte, die er kurz vorher in den Aschenbecher gestopft hatte, qualmte während der Sucharbeiten vor sich hin und die Glut vermengte sich mit dem übrigen Inhalt des Aschers, der größtenteils aus aufgerauchten Joints bestand. Sicher ist sicher, dachte ich und drückte die Klappe zu. Während den ganzen unangenehmen Fragen, woher wir kommen, wohin wir wollen, was wir um diese Zeit auf der Straße suchen, ob wir was gebechert haben und warum die Badewanne so aussieht, wie sie aussah, beobachtete ich eine beachtliche Rauchentwicklung. Um davon abzulenken, stieg ich aus und öffnete den Kofferraum und gab vor, zwischen den leeren Bier- und Weinflaschen nach meinem Reisepass zu suchen. Der Buchhalter stand inzwischen auch und suchte die Hosentaschen nach seiner Pappe ab. Währenddessen qualmte uns der Aschenbecher, der inzwischen irgendwie Feuer gefangen hatte, die Karre zu. Man konnte die Rauchschwaden inzwischen deutlich sehen.

 

Ich versuchte mich dran zu erinnern, wo ich das Dope versteckt hatte. Es war eine vertrackte Situation. Wir waren nüchtern, aber verhielten uns auffällig seltsam, weil uns die Joint- und Filterreste im Ascher die Badewanne langsam aber sicher in Brand setzten, was wir aber nicht zugeben wollten, weil sie dann ja irgendwann begriffen hätten, dass sie es mit zwei hackedichten Bekifften zu tun hatten. Nicht etwa, dass sie damit was anfangen konnten, aber ich wettete das Katzenfutter drauf, dass sie uns dann meinen geliebten Kadett so links gemacht hätten, wie es uns die Zöllner diesmal ersparten. Also spielten wir so weiter, bis der Buchhalter endlich seinen Führerschein fand und sie auf meinen Pass verzichteten. Sie konnten unseren Zustand nicht einordnen. Der Polizist schaute in den Wagen und runzelte die Stirn. „Brennt da irgendwas?“, fragte er. Wir taten es ihm nach, spähten sehr konzentriert rein und kamen dann gleichzeitig und einhellig zum negativen Ergebnis. „Nein“, sagte ich. „Sieht nicht danach aus“, sagte der Buchhalter. Der Typ ließ nicht locker. „Es sieht aber doch so aus“, sagte er und sah nochmal angestrengt rein. Man konnte inzwischen die Quelle des Schwelbrands schon gar nicht mehr sehen. Dicke Schwaden verteilten sich im Wageninnern und uns wurde klar, wie sinnlos es war, das Chaos weiter zu verleugnen. „Oh, der Aschenbecher brennt“, rief ich überrascht aus und er kaufte es mir ab. Dann lief er zum Mannschaftswagen, sprach dort kurz mit seinen Jungs und kam mit einem Feuerlöscher zurück. Er meinte es wirklich ernst. „Aus dem Weg“, rief er, riss die Beifahrertür auf und gab einen kräftigen Stoß aus der roten Kartusche. Und noch einen. Und dann noch einen.

 

Der Qualm wurde tatsächlich weniger. Auf dem Armaturenbrett verteilte sich der Schaum weiß und weich und gleichmäßig. Ich schnappte mir hektisch den Ascher, verbrannte mir die Pfoten und leerte den Dreck direkt neben der Karre aus, trat mit den Sohlen auf dem ganzen Mist rum und versuchte, möglichst viel davon aus dem Sichtfeld zu schaffen. Dann öffneten wir auch die anderen Türen und warteten eine Weile ab, während sich zwischen allen Beteiligten ein Fachgespräch über selbst entzündliche Dinge, die Gefahren des Rauchens im Allgemeinen und die von brennenden Kippen im Besonderen, sowie notwendig mitzuführender Ausrüstung in am Straßenverkehr teilnehmenden Fahrzeugen entwickelte. Nachdem dann alle Fragen geklärt und die ganze Aktion aus Sicht der Beamten ein würdevolles und sinnvolles Ende fand, bedankten wir uns höflich für die lebensrettende Maßnahme und setzen die Fahrt um die letzte Ecke fort. „Mannmannmann“, sagte ich zum Buchhalter, „irgendwas ist immer“. Ich wartete auf irgendeine philosophische, mindestens aber metaphorische Antwort. „Ich muss kacken“, sagte der Buchhalter.

 

 

 

 

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Ebenfalls aus der Serie: 101 paranoide Polizeikontrollen. Teil 1: Mon dieu!

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