Hit the road, Buchhalter! (3)

Hit the road, Buchhalter! (3)

Aus der Serie: Die Abenteuer mit dem Buchhalter; Teil 3: Wir drehen auf.

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Hier geht es zum zweiten Teil!

Der Buchhalter und ich zogen Bilanz. Es war mitten in der Nacht und wir mussten uns beeilen, damit des Buchhalters Katze keinen Hungertod erleidet. Ich hatte gerade eine beunruhigend große Menge Halluzinogene in Richtung Magen befördert und draußen vor der Tür der Zollhütte wartete eine weitere Überraschung. Die Zöllner hatten den Kadett auseinander genommen und meine geliebte fahrbare Badewanne sah aus wie das sprichwörtliche Ersatzteillager. Die Sitze waren draußen, die Karre stand auf der Bühne und irgendwer fummelte gerade hinter den Radkästen rum. Ich hätte am liebsten sowas wie "Seid Ihr noch ganz bei Trost!" gerufen, aber die Erfahrung lehrte, dass ihnen Demut und Unterwürfigkeit am besten gefiel, also hielt ich die Klappe. "Glück gehabt", sagte der Zöllner, "der Hund wäre fast durchgedreht". Ich hatte nichts anderes erwartet. Schließlich hatten wir mehrere, beachtlich große Tüten kleingeraucht, während wir unterwegs waren. Aber musste man uns kleine Freaks so bestrafen, fragte ich mich? Womöglich sind in den glänzenden Karossen vor uns Europas größte Dealer durchgefahren, aber uns Langhaarige in den alten Autos holten sie immer raus. An diesen Stereotypen wird sich nie was ändern.

Okay, das mit dem langhaarig traf nur auf mich und meinen Locken-Afro zu. Der Buchhalter hatte eine Frisur, die mich immer an die Bilder von Sigmund Freud erinnerte. Links und rechts die Schläfen entlang ein paar spärliche Reste und der Rest war eine sehr große Denkerplatte. Aber das passte ja auch, denn des Buchhalters liebste Beschäftigung war denken. Beispielsweise an seine Katze. "Sie wird mir die Bude auseinander nehmen, wenn sie nicht in Kürze gefüttert wird", unterstrich er von neuem und dann setzte er nach: "Ich würde es begrüßen, wenn wir von nun an zielstrebig den Heimweg antreten". Ich schaute ihn entgeistert an. "Sieht das hier nach Heimweg aus? Außerdem werde ich in Kürze ganz woanders hinfliegen und ich bin mir nicht sicher, ob dir das in gleichem Maße gefallen wird. Ich werde später auf deine Fahrkünste zählen müssen", wohl wissend, dass es die nicht gab. Jedesmal wenn ich den Buchhalter ranließ, betete ich zum großen Gott der Kupplung und des Getriebes, er möge gnädig sein.

Wir bastelten die Badewanne wieder manövrierfähig zusammen und legten los, als mein Blick auf der Tanknadel hängen blieb. "Oh Shit" rief ich aus. "Jetzt schon?" fragte der Buchhalter. "Es wird nicht bis nach Hause reichen. Über wie viel Bares verfügt der Herr der Bücher?" Er kramte ein paar Münzen hervor. "Es zieht keine Forelle vom Teller", sagte er. Zusammen mit meinem Rest würde das gerade mal bis in irgendein Eifeldorf reichen, soviel war klar: Wir brauchten Sprit für die Wanne und konnten uns keinen leisten. Zudem waren die Tanken nachts eh alle zu, nicht mal an der Grenze gab es eine. Ich beschloss, das Problem zu ignorieren. Es schien mir angesichts des bevorstehenden Vollrauschs eine untergeordnete Aufgabe. Wir eierten durch die Dörfer. Mit jedem neuen Ortsschild stieg meine Laune. Die Namen der Eifeldörfer versprachen große Abenteuer. Wir durchkreuzten Frauwüllesheim, Grüfflingen, Mutzerath, Bescheuertingen und Ganz-Bescheuertingen und als der Morgen graute, ruckelte der Kadett exakt in dem Moment, als wir Fuselnich erreichten. Und mitten im Ort gab es eine Tanke! Der Motor verabschiedete sich, ich nahm den Gang raus und wir ließen die Badewanne den Berg runterrollen bis zur Ortsmitte, bogen in die Tanke ein und hielten ohne einen Tropfen Sprit direkt vor der Zapfsäule.

Dieser Teil war geschafft. Irgendwer musste uns nen Zehner geben, damit wir zur Katze kamen. Es war eine der in dieser Gegend üblichen Münztankstellen – wo man mit nem Bargeld die Säule füttert und sie dann die entsprechende Menge Fusel freigibt. Ich dachte kurz daran, mit dem Abschleppseil die ganze Säule umzureißen, was uns sowohl jede Menge Münzen, als auch Sprit beschert hätte. Der Plan scheiterte allerdings am nicht mehr willentlichen Zugpferd. Also warteten wir und wussten nicht so recht, auf was. Ich durchsuchte die Badewanne nach Verwertbarem, fand aber zunächst nichts Brauchbares. Wir könnten das Zelt im Kofferraum verhökern, dachte ich. Oder vielleicht nimmt mir jemand eins von meinen fabelhaften Mixtapes ab, die sich im Handschuhfach stapelten. Das Handschuhfach!! Natürlich! Ich räumte die etwa 25 Musikkasetten raus und spürte gleichzeitig, wie ich immer weiter abhob, während der Buchhalter einen rund um die Tankstelle zusammengestellten Blumenstrauß präsentierte, der uns seiner Meinung nach mindestens 'nen Fünfer einbringen sollte. Falls jemand zufällig am Sonntagmorgen um Sechs Bedarf an Blumen hätte. Sicherlich. Ich kannte schlechtere Pläne. Aber mein Gefühl trog nicht. Ich hatte hinter dem Kassettenberg eine Stange der kroatischen Zigaretten gebunkert, die ich vor drei Jahren nach Kenntnis des örtlichen Preisgefüges im Überschwang kaufte, dann aber merkte, dass es anscheinend in Zigarettenpapier gepresstes Stroh im Teermantel war.

Das Dope begann nun, sich in voller Blüte in mir zu entfalten. Ich war geradezu euphorisiert bei dem Gedanken, dass wir beim Verkauf des kroatischen Strohs ein gutes Geschäft vor uns hatten, dass uns vielleicht sogar bis zur nächsten Reise finanzieren würde. Der Buchhalter wurde indessen merklich nervöser. Während er seinen Wald- und Wiesenstrauß sammelte, hatte er meine Heureka-Rufe vernommen und war davon ausgegangen, dass ich bereits einen Abnehmer für seine Sammlung gefunden hatte. Stattdessen warf er einen Blick ins Innere und bemerkte, dass ich ein Mixtape nach dem anderen kurz in den Schlitz des Kassettenradios steckte, lautstark die Ortsmitte Fuselnichs ansang und die Dinger dann weiter nach hinten auf den Rücksitz warf, weil mir beim Befingern der Hüllen immer wieder ein weiterer Song einfiel, den ich seit Jahren nicht gehört hatte. Ich verspürte plötzlich einen Riesenhunger nach Eiern in Senfsauce. Genau in dem Moment, als der Buchhalter sagte, er habe noch letzte Wochen zehn Dosen Katzenfutter im Sonderangebot gekauft und jetzt sei seine Katze gerade am Verhungern. "Vom Rest des Gewinns lade ich Dich auf eine echt leckere Portion Eier ein", rief ich, während "Whisky in the Jar" aus den Lautsprechern dröhnte. "Ich muss kacken", sagte der Buchhalter trocken.

Wie wir aus der Nummer nochmal rauskamen, erzähle ich Euch in Teil 4 !

 

 

 

 

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4 responses to “Hit the road, Buchhalter! (3)”

  1. […] Hier geht es zum dritten Teil! […]

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