Ein lichter Moment

  Die Stadt war übersichtlich. Mit jedem Schultag lernte ich meine Pappenheimer besser kennen. Auf dem Nachhauseweg hatte ich meist noch was vom Schulbrot übrig und nicht selten sogar eine komplett eingewickelte und liebevoll verpackte Stulle, die ich nicht wieder nach Hause schleppen wollte. Denn das gab meist unangenehme Rückfragen, denen ich mich entziehen wollte. …

Frechheit siegt

Die Auswahl war nicht groß. Entweder sollte ich in einem Rettungsfahrzeug mitfahren, was ich mir auf die Dauer langweilig vorstellte oder in der Uniklinik meinen Zivildienst leisten. Universitätsklinikum! Das hörte sich mächtig nach was an. Ich stellte mir vor, wie die Chirurgen diskutierten, bevor sie jemanden in Stücke schnitten: "Hey, müsste das nicht von hinten nach vorne geschlitzt …

Das ganz große Ding

Man konnte Opas Husten in der ganzen Wohnung hören. Ich lag um fünf Uhr früh noch im halben Tiefschlaf und am Küchentisch kotterte er, als ob er beschlossen hätte, sich sofort ins Grab zu husten. Immer wieder hob er an. Energisch drückte er den Dreck aus der Lunge, den er sich sein Leben lang angeraucht hatte. …

Damals hinterm Mond

West-Berlin. Vom gleichen Augenblick an, in dem ich den Bahnsteig vom Bahnhof Zoo betrat, wandelte ich mich. Eben noch war ich ein kleiner Kaffer gewesen, der in die große Stadt fuhr, aufgeregt und gespannt darauf, was es diesmal alles zu sehen und zu entdecken gibt – und jetzt mit dem Berliner Asphalt unter den Füßen …

Suzanne

Immerwährende Blüten Aus der Reihe "Lüricks". Heute Teil 4. Leonard Cohen – Suzanne. Ich war vierzehn, als ich im Winter 1979 meinen Vater besuchte. Die Abende neigten sich schon gegen Sechs der absoluten Dunkelheit zu. Es war knackig kalt, aber es war ein trockener Winter und weil ich mich so genau an die Kälte erinnern …

Weil DU es bist

Nichts geht über einen handgeschriebenen Brief! Diese ganze elektronische Flut an permanent reproduzierbaren, minderwertigen Texten, all das hundert und tausend mal geteilte Zeugs, schnell zusammengestauchtes, leicht verständliches, aber ohne Verstand getipptes Satzmehl, nie fehlerfrei, mit einem Wortschatz von Fünftklässlern und einer Halbwertzeit eines lauwarmen Schlucks Bier. All dieser literarische Schrott, an den sich schon morgen …

Wiener Schmäh

    Wien. Wir befinden uns im Jahr 2004 und das ist – liebe Freunde der Mathematik – nun mal dreizehn Jahre her zu dem Zeitpunkt, an dem man es hier zum ersten Mal nachlesen kann. In einer Zeit, in der es erstmals Farbdisplays auf Handys gegeben hat und in der Headsets oder gar Smartphones …

Liebes Leben!

  die kraft der abendsonne spüren auf reich gefüllten plätzen weilen entrückt dem zeitenlauf enteilen nach neuen abenteuern gieren ist mir kein augenblick zu viel   sich einem wilden spaß erinnern wahr und wesentlich erscheinen unsere seelen lustvoll einen dankbar und vor glück von sinnen ist mir lieben stets ein leichtes spiel   mich durch …