Der Sport und ich, nunja… Ich war in keiner Sportart auch nur annähernd in diesen Sphären, wo man am Ende des Wettkampfs auf dem Treppchen steht und fotografiert wird. Aber ich erinnere mich an ein paar sehr glückliche Siege.
Im Schach spielte ich mal Regionalliga und nominell hatten wir damals kaum eine Chance. 3:3 stand es und nur noch ich und der Kollege an Brett Eins spielten noch. Und als auch der mit Remis abschloss, lag alles an mir. Siege an vorderen Brettern werden höher gewertet und in dieser Wertung waren wir vorn. Mit einem weiteren Remis würden wir es schaffen und die Spielzeit war mit fünfeinhalb Stunden bereits nahezu ausgeschöpft. Ich hatte vor zehn Zügen einen Turm gegen einen Springer gegeben und behielt dafür lange einen Mehrbauer, den er mir aber so belagerte, dass ich ihn verlieren würde. Und dann entdeckte ich eine Kombination, mit der ich das Materialverhältnis auf Dame gegen Dame plus Springer reduzierte. Er versuchte es noch vier, fünf verzweifelte Züge mit dem verbliebenen Material, musste dann aber das Unentschieden akzeptieren. Aufstieg! Da floss unsportlich ganz schön viel Freibier nach.
Die anderen beiden Heldengeschichten liegen so um 1980 rum, aber im Fußball gelang mir das leider nie. Als Jugendspieler hatte ich abwechselnd zu wenig Talent oder zu wenig Ehrgeiz und schon gar kein Selbstvertrauen. Weil ich ein guter Läufer war, stand ich ständig frei, aber mich anzuspielen bedeutete immer auch, nicht zu wissen was im nächsten Moment passiert. Paradoxer Weise gelang ausgerechnet mir als Einwechselspieler das entscheidende Tor in meiner einzigen Saison, in der wir Meister wurden, aber ich muss gestehen: Der war doch mehr reingestolpert als souverän getroffen. Erst als Erwachsener lernte ich, dass Selbstvertrauen im Fußball eine entscheidende Rolle spielt. Als ich das Trikot mit der breiten Nummer Zehn überstreifte, klappte es plötzlich mit dem Ballverteilen und sogar mit dem Toreschießen. Zwar waren auch meine Gegner nicht gerade mit herausragendem Talent gesegnet, aber allein die Tatsache, dass es mir die anderen zutrauten, reichte aus um besser zu kicken.
Zurück in die 80er! Mit Fünfzehn übte der Sportlehrer mit uns Hochsprung, Kugelstoßen, Dreisprung, Speerwerfen und schließlich Sprinten, Hürdenlauf und Langlauf. Der nahm das alles sehr ernst und als ich die anderen abhängte, weil ich mir die Kraft am besten einteilte, lobte er mich so sehr, dass ich stolz drauf war. Da war es wieder, das Selbstvertrauen. In jenem Sommer rannte ich die tausend Meter drei Mal die Woche und beim jährlichen Sportfest kassierte ich den Schulrekord ein. Die zweieinhalb Sportplatzrunden waren easy, aber am meisten kam es darauf an, sich die die Kraft genau so einzuteilen, wie ich sie im Wettbewerb brauchte. Dann kam der Landeswettbewerb und ich rannte schon wieder allen davon. Ich weiß heute noch, wie ich im Finale anfangs der letzten Runde dachte, der da vorne ist zu schnell unterwegs – und wie ich ihn in der letzten Kurve vor der Zielgeraden noch überholte. Aber als der darauffolgende Winter kam, blieb mir mehr Zeit für Parties, Mädchen und fürs ausgiebige Studium diverser Drogen.
So ziemlich zur gleichen Zeit des Laufrauschs, begann ich mit dem Tischtennis-Spielen. Jetzt wo ich es schreibe, erscheint es mir unvorstellbar, zur gleichen Zeit Fußball, Tischtennis und 1000-Meter-Läufe geübt zu haben, aber es war so. Und da spielte ich sogar im Verein. Überhaupt ist es seltsam, woher all diese Zeit meiner Jugend kam, aber sie war einfach da. Zum Geburtstag bekam ich meinen Wunschschläger mit einer schnellen genoppten Volley- und einer bremsenden Effet-Seite. Und dann kam das große Ferienlager-Tischtennisturnier 1981 am Brahmsee. Die Schullandheime waren alle voll belegt und traditionell wurde zum Ende der Sommerferien dieses Turnier ausgetragen. Von Anfang an lagen die Teilnehmerlisten aus und am Ende wollten so viele mitspielen, dass wir Vorgruppen bilden mussten. Denn wenn einen unser Schulsystem etwas lehrte, dann, dass es immer einen Sieger geben musste. Und der wurde tatsächlich ich. Ich spielte mich durch die erste und die zweite Vorgruppe, das war nicht weiter überraschend und im Finale stand mir ein etwas älterer und technisch wesentlich besserer Spieler gegenüber. Der prahlte mit seinen Erfolgen als Hamburger Kreismeister – also konnte es nur über den absoluten Willen gehen. Damals dauerten die einzelnen Sätze noch bis 21 – und wenn Gleichstand war, zum Beispiel 20:20 oder 21:21, dann musste man immer zwei Punkte mehr als der Gegner machen, um den Satz zu gewinnen. Drei Gewinnsätze brauchten wir zum Turniersieg und ich gewann 20:22, 24:22, 24:26, 30:28 und 23:21. Das. Fühlte. Sich. An. Wie. Weltmeister. Werden.
Nun genug vom Spocht. Zum Glück zurück!
*
*
*
*************
*
