Sommerpause: Tarzan

Sommerpause: Tarzan

Tarzan hatte ja keine Ahnung. 34 Jahre als Junggeselle gelebt und plötzlich fällt dieses Weib da aus dem Himmel und sagt ihm, er soll ein Baumhaus bauen. Tagsüber kommandierte sie ihn herum und nachts nuschelte sie ihm Sachen ins Ohr in einer Sprache, die er nicht verstand.

„Darling“, sagte sie. „Mein edler Wilder. Du hast so viel zu geben. Sag Jane zu mir und lass dir die Haare schneiden, ja?“

Im Bett war sie besser als Cheetah, das musste er zugeben. Aber das konnte auch daran liegen, dass sie größer war. Tarzan kannte sich da nicht so aus.

„Mit Denken ist bei dir ja nicht viel los, hab ich recht, Baby?“ sagte Jane ein paar Monate nach den Flitterwochen. Und nicht lange danach kam sie ihm mit einem Paar Hosen an.

„Zieh die die an, du Doofkopp“, sagte sie. „Ich will dich hier nicht mit deinem nackten Bammelmann rumlaufen sehen, wenn das Baby kommt. Gott, was’n Arschloch.“

Naja, den Ausdruck verstand Tarzan auf Anhieb und er kriegte einen Stinkwut. „Ich sauer“, sagte er und bewies, dass er das Vokabular seines Sweethearts schon ganz gut drauf hatte. Dann hechtete er in den Fluss und reagierte sich ab, indem er ein oder zwei Alligatoren aufschlitzte.

Dass sie einen dicken Bauch kriegte, machte ihm nichts weiter aus; aber schließlich wusste er ja auch nicht, was Hämorrhoiden waren. Jane dagegen ließ immer öfter ihre schlechte Laune an ihm aus:

„Könntest dir langsam mal ’nen Namen für unseren Junior überlegen“, sagte sie eines Tages. „Oder ist das zuviel verlangt von deinem Bananenhirn?“

„Tantor?“ sagte Tarzan. „Tantor guter Name. Oder Simba. Dir gefällt Simba?“

„Yeah“, sagte sie. „Großartig. ‚Ladies and Gentlemen: Der neue Präsident der Vereinigten Staaten – Simba!‘ Also ehrlich. Ich versteh nicht, wie ich auf’n Knallkopp wie dich reinfallen konnte…“

Da waren für Tarzan wieder mal ein paar Alligatoren fällig.

Kurz danach kriegte Jane ihr Baby. Es war ein Junge. Sie nannte ihn Otto. „Find ich’n guten Namen“, sagte sie. „Buchstabiert sich vorwärts wie rückwärts gleich.“

„So ein Humbug“, meinte ihr Ehemann. „Für mich wär ‚Boy‘ gut genug.“ Sie zeigte ihm den Finger und sperrte ihm fortan das Schlafzimmer.

Tarzan pennte im Gästezimmer und kam damit jahrelang ganz gut zurecht. Doch eines Tages merkte er zu seinem Entsetzen, dass er impotent war.

„Mir soll’s recht sein“, meinte seine Alte. „Am Anfang hat’s ja noch Spaß gemacht, aber später fand ich’s doch immer mehr zum Kotzen.“

Tarzan wusste sich keinen Rat. Er fraß Kräuter und Wurzeln, aber es nützte nichts. Und nach einem guten Psychiater brauchte er Jane gar nicht zu fragen. Sie würde ihn bestimmt zu einem Pfuscher schicken.

Als er eines Tages mal wieder grübelnd durch die Wohnung lief – Jane nahm gerade im Fluss ein Bad – verstellte ihm sein Sohn im Flur den Weg.

„Wenn’s bei dir doch wenigstens zum Abitur gereicht hätte, Tarz“, sagte Otto. „Was glaubst du, was passiert, wenn die in Harvard hören, dass mein Alter ein gottverdammter Gorilla ist…“

Jetzt brannte bei Tarzan die Sicherung durch. Er drehte dem Boy den Hals um und warf ihn den Löwen zum Fraß vor.

Er riss sich die Klamotten vom Leib, hechtete in den Fluss und kroch unten am Boden entlang, bis er unter seinem badenden Eheweib war; dann schoss er hoch und schlitzte ihr mit seinem treuen Messer den Bauch auf.

Als er aus dem Wasser kam, stellte er fest, dass er einen stehen hatte. „Gottverdammich“, sagte er, „das sieht man aber gern!“ Dann hörte er hinter sich was rascheln und als er sich umdrehte, sah er Cheetah mit einer dicken Banane im Maul ankommen. Es sah so aus, als würde er das Leben wieder genießen können.

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(Text von Ron Koertge, 1969, veröffentlicht in „Terpentin on the rocks – das Beste aus der amerikanischen Alternativpresse 1966-1977, herausgegeben von Charles Bukowski und Carl Weissner, Maro Verlag 1978)

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