Der Menschenfeind

(Oder auch: Sexualdimorphe Selektion)

Mittagessen.

Während die Eltern – in Klammern: Seine –
gegenüber sitzen und die glückliche Oma
das Kleinkind bespielt, sitzt dieses Mamawesen
wie ein fleischgewordener, blasser Pudding da

In Jogginghose und Primarkshirt, die jugendlichen
Pickel noch im Gesicht, verunsichert, dumpf und
gleichgültig sieht das Mama aus, als wenn es noch
vor dem Nachtisch ein zweites aus den Hüften presst

Das Balg schreit, als ob es das ganze Dilemma schon
jetzt erfasst, während die Oma entrückt lächelt und 
der ebenso noch pubertierende, einst stolze Vater sich
stumm und wie leblos hinterm Smartphone versteckt

Das Reden haben sie eh eingestellt, seit Komasaufen
und Parties nicht mehr die wichtigsten Dinge im Leben
sind, da kann man auch gleich so tun, als ob man nicht da
wäre, das ist allemal einfacher als den Mund aufmachen

Klopsi hat seit Monaten keine Lust mehr aufs Poppen, ihr
Held denkt an die Möpse der Nachbarin, die Alte an die 
verschissene Windel und Opa darüber nach, warum heute
kein Fußball läuft. Die nächsten zwanzig Jahre stehen bereits

in FETTEN LETTERN auf der Stirn.

Und sie wissen es.

Alle vier!

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Gelesen in der Z-Bar Tintenschiff am 19.6.17, Text 3

  2. Gelesen bei Lauter Niemand im Chagall am 4.6.17, Text 1

     

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