News of the world

News of the world

Die 50 besten Rock- und Popalben aller Zeiten. Heute: Queen – News of the world

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(Hier geht es zu Teil 3. Nina Hagen: Nina Hagen Band).

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Ich erinnere mich, als sei es heute erst gewesen. Am Abend zuvor hatte ich ein Kulturmagazin im Fernsehen 'mit halbem Auge' gesehen, denn ich war während der Ausstrahlung damit beschäftigt, die Telefonnummern aller Freunde zusammen zu suchen, die ich zu meinem dreizehnten Geburtstag einladen wollte. Zum ersten Mal wollte ich aus meinen Kinderschuhen aussteigen und selbst eine Geburtstagsparty, die damals noch „Fete“ hieß, organisieren. Ich war also gerade dabei, Ulrike gegen Sabine und Thorsten gegen Thomas zu streichen, als dieser seltsame Sound aus dem Fernseher an mein Ohr drang. Gut eineinhalb Jahre vor AC/DC's Highway to Hell rockten Queen mit „We will rock you“ einen Sound raus, der selbst durch den dürftigen Monolautsprecher der alten Glotze wie eine Offenbarung klang. Etwas derart Druckvolles, Mitreißendes und Kraftvolles hatte ich noch nicht gehört. Der schnelle, stakkatoartige Gesang von Freddy Mercury, der zwischen dem Refrain auftauchte, riss mich so mit, dass ich unbedingt und möglichst sofort den Text lernen wollte, damit ich diese unbändige Kraft, die dieser Song von der ersten Sekunde an ausstrahlte, wütend und gemeinsam mit Freddy rausschmettern kann. Denn genau so fühlte ich mich als Teenager. Vermutlich fühlte ich mich nicht anders als all die anderen Teenager auch – unverstanden, voller Zorn gegen die Gesellschaft und allein gegen die ganze Welt. Aber was immer die da sangen, es berührte mich sofort und ich fühlte mich augenblicklich, als müsse ich die Wahrheit rausschreien, die da drin steckte.

Die darauf folgende Nacht konnte ich kaum schlafen vor Begeisterung. Glücklicherweise hatten wir nur vier Schulstunden am darauffolgenden Tag und ich konnte direkt anschließend mit dem Bus in die Stadt fahren, um mir im Kaufhof, der bei uns PEKA hieß, in der Plattenabteilung die Single anzuhören, die mich am Abend zuvor so wegriss. Ich fand sie dort aber nicht. Ich stand vor den fünfzig bis sechzig Plattenfächern und nahm sie alle nacheinander in die Hand, um darauf zwei, drei Wörter zu lesen, die ich in Erinnerung behalten hatte. Es gab zwar eine Single von Queen zu kaufen, die hieß aber „We are the champions“ und wie der Song hieß, den ich suchte, wusste ich nicht. Ich nahm das Teil und ließ mir das Stück auflegen. Es gab dazu extra jemanden in der Plattenabteilung, der hinter einer Reihe von sechs Plattenspielern stand und die Wunschtitel der Kunden auf die Teller legte. Ein Traumjob, wie ich fand. Das würde ich später auch tun. Man zog sich die davor liegenden Kopfhörer auf und schon war man für die drei bis fünf Minuten in seinem eigenen Film. Der Titel war nicht schlecht, aber ich wollte die vier Mark für das andere Stück investieren. Rein aus Gewohnheit, wenn ich mir nicht so sicher war, ob der Titel das Geld wert war, ließ ich mir die B-Seite auflegen – und da war es! Duffduffdaff! Duffduffdaff! machte es und schon bald setzte Freddy ein: „Buddy you`re a boy make a big noise playing in the street gonna be a big man someday“… Geil! Das zog rein. Und ich kaufte mir das Teil.

Dass die Single eines der wenigen Exemplare der Pop- und Rockgeschichte sogenannter „Double-A-Sided-Singles“ war, ist mir erst viel später klar geworden, nachdem „We are the champions“ zu jeder Gelegenheit gespielt wurde, wenn es in Massen was zu feiern gab. Bis heute ist das so und das zeigt eigentlich neben dem ewig jungen Beat von „We will rock you“, dass es eine legendäre Arbeit war, die Mercury, May und Co damals ablieferten. Ich jedenfalls hörte beide Seiten so oft rauf und runter, bis ich jedes Wort davon kannte und mitsang. Das Bild der EMI-Single zeigte den Roboterkopf aus dem Cover der zugehörigen LP „News of the world“ und erst nachdem ich mir kurze Zeit später auch die Langspielplatte leistete, begriff ich die Tragweite des Sounds in seiner ganzen musikalischen Bedeutung. Eine Single isoliert vom Longplayer zu hören, ist entweder ignorant oder sonstwie einer Eigenart zu verdanken, die was mit Beschränktheit oder Knappheit zu tun hat. Wenn Dir die Musik etwas gibt, die man von anderen ausgewählt in Singlecharts durch das Radio oder wie in diesem Fall aus dem TV vorgewärmt serviert kriegt, dann ist es geradezu sträflich dumm, sich nicht für den Rest des Werks zu interessieren, der Dich mitreißt und Dir Kraft und Energie für den Tag gibt und ich bin verdammt froh, dass ich mich daran immer gehalten habe. Ich studierte also auch den Rest der „News of the World“, nachdem mir diese ersten beiden Stücke wie eine Offenbarung waren – und das völlig zu Recht. Es ist eines der wenigen Werke der Rock- und Popgeschichte, das durchweg aus starken Stücken besteht, ohne Hänger, ohne Pause, ohne dass die Platte mir je langweilig wurde.

Die üppigen Gesangs- und Gitarrenchöre, die bei Queen üblicherweise vor Theatralik nur so strotzen, treten auf diesem sechsten Werk der Bandgeschichte mehr in den Hintergrund, wenn auch mit „It´s late“ und „Spread your wings“ zwei der bekannteren Stücke darauf zurückkommen. Ansonsten lebt „News of the world“ vor allem von der Ausdruckskraft Freddy Mercurys, die er in den ruhigeren Stücken in einer großartigen Harmonie auf seine Mitsänger Taylor und May abstimmt (perfekt in „All dead, all dead“ und „Who needs you“) und den progressiven Gitarrenriffs in „Sheer heart Attack“ und „Get down, make love“. Beim Hören aller Queen-LPs, was man als zwar kenntnisreicher, aber durchaus nicht allwissender Rockfan nicht unbedingt geleistet haben muss, wird es deutlich: Die 1977 produzierte und 1978 in den Charts stehende „News of the world“ ist die typischste und gleichzeitig kraftvollste aller Queen-LPs der ersten zehn Jahre. Sie ist eindeutig die stärkste Leistung der Band. Die Vorgänger und Nachfolger dieser LP ergeben einen runden und harmonischen Bogen rund um "News of the world", zu dem auch der Abschwung gehört, der mit "Flash Gordon" seinen Tiefpunkt erreichte. Erst mit „The works“ 1984, wurde der Sound an die Beatgeneration angepasst, der Sound wurde „achtziger“ und veränderte sich merklich, obgleich es auch dann noch gute Momente der Bandgeschichte gab.

Queen ist eine der Bands, deren Sound man nicht unbedingt mögen muss. Auch Genesis gehört dazu. Es gab immer nur eine Minderheit, die den Sound mochte. Der Sound aber wiederum war so innovativ und bestimmt durch den genialen Freddy (vgl. Genesis: Peter Gabriel), dass man einfach nicht dran vorbei kam. Und selbst die größten Kritiker der Band werden anerkennen müssen, dass Mercury ein musikalisches Genie war, dessen Verlust durch den frühen Tod für die jüngere Musikgeschichte nicht unerheblich wiegt. Aber selbst wenn man den Sound nicht besonders mag, muss man bei der Betrachtung der künstlerischen Leistung für das Gesamtwerk der Band zu dem Schluss kommen, dass diese Scheibe ein magischer Moment der Rock- und Popgeschichte war. Alle Titel der LP erzählen eine Geschichte. Und „We will rock you“ die stärkste davon.

Weitere Infos auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/News_of_the_World_(Album)

 

 

 

 

 

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