Die Hinrichtung

Die Hinrichtung

Eine meiner Lieblings-Szenen in den fünf Büchern der vierbändigen
Trilogie des Anhalters durch die Galaxis, ist der Moment, in welchem
der Romanheld auf dem Planeten ‚Wasissn‘ strandet und dort in der
Hauptstadt ‚Nadann‘ einem grausamen und seltsam mutierten, sehr
erschreckenden Wesen begegnet.

Eigentlich dachte er, dass alle Lebewesen außer den „Wasissnschen
Schlammschweinen“ vor längerer Zeit an Verzweiflung eingegangen
seien, so hatte man es ihm jedenfalls erzählt, aber dann trifft er auf
diesem Planeten, dessen Raumzeit-Koordinaten auf denen der Erde
liegen, auf dieses wütende Wesen.

Und das erklärt ihm dann, es sei die Inkarnation einer armen Seele,
die jedes Mal einfach zufällig und ohne Bestimmung immer dann
dem Protagonisten über den Weg lief, als dieser, selbst rein zufällig
und ohne weitere Absicht, dieses Wesen in jeder eingenommenen
Gestalt platt machte.

Wenn es also als Fliege umherschwirrte, dann war es unser Held,
der sie tötete oder wenn es als Schwein wiedergeboren wurde, dann
landete es als Schnitzel auf dessen Teller und wenn es als Hirsch
durch die Wälder pirschte und dann über die Straße rannte, wem
lief es dann vors Auto?

Der Dialog zwischen den beiden ist lustig, aber ich kann mich nicht
mehr genau daran erinnern, wie es der Anhalter schaffte, der Rache
des zwölfmal wiedergeborenen und zwölfmal von ihm getöteten
Wesens, das wirklich außerordentlich schlammig und schleimig daher
kam, zu entgehen.

Warum ich darauf komme, ist, weil ich neulich die Gelegenheit
hatte, sehr lange und mit viel Geduld einer Eidechse zuzusehen,
wie sie über die heiße Außenwand des Ferienhauses kletterte
und minutenlang ohne Bewegung verharrte – und dann schien
sie tatsächlich zu lächeln.

Als sie vom Dach aus die Fassade runter rannte, entdeckte sie
mich, wie ich auf der Terrasse mit meinem Buch saß und als ich
zu ihr hoch sah, erstarrte sie augenblicklich zur Salzsäule, legte
den Kopf leicht schief, zog die Mundwinkel hoch, glotzte mich an
und fing an zu grinsen.

Abends ging ich nach drinnen, um mir was in die Pfanne zu hauen
und als ich in Richtung Kühlschrank stapfte, trat ich beinahe auf
einen Käfer, der über den Küchenboden kroch und dort irgendwas
suchte, was er sich selbst in die Pfanne hauen wollte oder seinem
Weib als Beute mitbringen könnte.

Ich war geradewegs dabei, mit meinem Stiefel seine Laufbahn zu
kreuzen, hielt an, dachte an den Planeten Wasissn und seine Hauptstadt
Nadann, die Wasissnschen Schlammschweine auf dem traurigen Planeten
und die wundersame Begegnung zwischen dem dutzendfach ungewollten
Mörder und seinem dauernden Opfer.

Dann nahm ich ein Blatt Papier, stupfte den Käfer liebevoll drauf, nahm
ihn samt dem Blatt nach oben und ließ ihn langsam in meine geöffnete
Hand plumpsen, sah ihn mir genau an, wünschte ihm viel Glück und warf
ihn dann in hohem Bogen auf die Terrasse, damit er da draußen weiter suchte,
was immer er finden wollte.

Und genau in dem Augenblick, in dem er auf der Steinterrasse aufkam
und noch bevor er die Chance hatte, sich überhaupt neu zu orientieren,
schoss diese Echse aus einem Versteck hinter den Blumentöpfen vor,
schnappte sich das Vieh und machte es ohne viel Federlesens an Ort
und Stelle klein.

Sie biss sofort herzhaft zu und rupfte dem armen Käfer alles aus dem
Leib, was er zu bieten hatte, die Flügel und die Beine und den Kopf und
stopfte schließlich den ganzen Rest des Insekts in sich rein und wenn
ich ein Mikro hingehalten hätte, hätte ich ein herzhaft lautes Schmatzen
hören können.

Dann drehte die Eidechse den Kopf wieder schief und sah zu mir her
und da dachte ich, vielleicht gibt es diesen komischen Gott ja wirklich
und er hat für uns alle ähnliche Scherze auf Lager, treibt uns raus auf
die Straße, damit du in das nächste heran rasende Auto rennst oder was
noch viel, viel Witzigeres.

Und das ist eigentlich ein ganz erträglicher Gedanke und erklärt mir so
Einiges.

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