Sommerpause: Der Meister hat das Wort.

DAS LISPELN

Ich hatte sie drei Stunden in der Woche
und in der Mitte des Semesters
gab sie bekannt, wie viele Stories
jeder abgeliefert hatte –
„Gilbert: 2 …
Ginsing: 5 …
McNulty: 4 …
Frijoles: Keine …
Lansford: 2 …
Bukowski: 38 …“

Der ganze Kurs lachte
und sie lispelte:
Bukowski schreibe nicht nur
viel, sondern auch durchweg
gekonnt.

Sie ließ viel von ihren
goldenen Beinen sehen, damals
1940, und ihr Lispeln
war irgendwie sexy.
Sexy wie eine Hornisse,
wie eine Klapperschlange,
dieses Lispeln,

und nach dem Kurs
lispelte sie
ich solle als Freiwilliger
in den Krieg,
ich würde einen guten
Matrosen abgeben,
und sie erzählte mir, dass sie
meine Stories jedesmal
mit nach Hause nahm und
ihrem Mann vorlas, und wie
sie darüber lachten, und ich
sagte „Okay, Mrs. Anderson“
und dann ging ich raus auf den
Campus, wo fast jeder Kerl ein
Mädchen hatte.

Ich bin kein Matrose geworden,
Mrs. Anderson, ich bin nicht
verrückt nach dem Ozean
und für den Krieg konnte ich
mich damals auch nicht
begeistern, obwohl das
ziemlich populär
war.

Aber hier habe ich wieder
was für Sie geschrieben.
Das Lispeln und diese
goldenen Beine – darauf
schreibe ich immer noch
Liebesgedichte.

*

EIN KAFFEE UMSONST

Sie telefonierten, und er sagte:
Pass auf, ich bin jetzt mit Lisa
zusammen, da kann ich nicht einfach…
und sie sagte: Ich weiß, ich verstehe,
ich möchte nur, dass du herkommst und
einen Kaffee mit mir trinkst, ich bin
in der Western Avenue, nur einen Block
von dir, ich bin gerade aus Utah zurück
und dachte, wir können uns auf einen
Kaffee treffen, aus alter Freundschaft…
Also gut, sagte er, und dann sagte er zu
Lisa: Bin in fünf Minuten wieder da…

Er stieg in den VW und fuhr hin. Da
saß sie in ihrem Wagen, vor der
Pioneer Chicken Bude. Er setzte sich
zu ihr rein. Sie hatte sich zwei Becher
Kaffee bringen lassen.

Hi, sagte sie. Hi, sagte er.

Weißt du, sagte sie, du bist der einzige Mann
der mich zum Lachen bringen kann. Du hast
wirklich Humor. Das fehlt mir.

Yeah, sagte er.

Wie geht’s dir? fragte sie.

Gut, sagte er. Wirklich gut.

Erinnerst du dich an Cal? fragte sie. Es
hat sich herausgestellt, dass er ’ne
gottverdammte Schwuchtel ist. Schlimm
genug, wenn man sich gegen andere
Frauen behaupten muss, aber bei ihm
hatte ich Männer als Konkurrenz…
Ich glaube, ich hab schon mit ein paar
Lesben zusammengelebt, sagte er, aber
ich bin mir nicht sicher.

Du fehlst mir richtig, sagte sie.

Hör zu, sagte er, ich muss wieder zurück.

Ich verstehe, sagte sie. Dann beugte
sie sich herüber und küsste ihn.

Bis später mal, sagte er. Er stieg
aus ihrem Wagen und ging zum VW
und als er wegfuhr, saß sie immer noch
in ihrem Auto. Er winkte, und sie
winkte zurück.

Es war ein wunderschöner Tag im Juli
und als er wieder zu Lisa hineinkam
saß sie stocksteif auf einem Stuhl
als habe sie sich einfrieren lassen
für eine Wiedergeburt in einer
besseren Zeit.

*

DER NIEDERGANG DER GATTUNG

Sweet Mama,
sie mochte Eiskrem, Pralinen
und Schokoladen-Doughnuts;
zum Frühstück gab es bei ihr
Zitronenkuchen und Kakao.

Sie war 20 Jahre jünger
und ich setzte die Pfunde
leichter an als sie.
Nach einer Weile
geriet mein Bauch in den Weg
wenn wir uns liebten.

„Du bist nicht mehr so gut
wie du mal warst“, sagte sie.

„Leg dich oben drauf“, riet ich ihr.

Ich musste meine ganzen Kleider
wegwerfen und mir größere kaufen.

Bald war ich so fett
dass es auch nicht mehr ging
wenn sie oben lag.

Das erledigte uns.

Die nächste, die ich kennenlernte
war 30 Jahre jünger.

Sie schluckte Tabletten, trank
und ging mit jedem ins Bett.

Ich war krank vor Eifersucht
und konnte nichts mehr essen.

Ich musste meine ganzen Kleider
wegwerfen und mir kleinere kaufen.
„Du siehst fürchterlich aus“, sagte sie
und lief mir mit einem jüngeren Mann weg.

Die nächste war ungefähr in meinem
Alter, und wir saßen bei ihr herum
und tranken und redeten davon
was die Welt doch für ein
schauderhafter Ort war.

Wir tranken auch in Cafés
und da wir schon dort waren
aßen wir auch was.
Bald hatte ich wieder
mein Normalgewicht.

Dann sah mich eines Tages
Sweet Mama in meinem
abgespeckten Zustand
und sie bat mich, zu ihr
zurück zu kommen.
Das tat ich,
nur zog ich nicht
mehr bei ihr ein.
Ich behielt meine
Wohnung.

Und dann sah mich die,
die 30 Jahre jünger war
und sagte mir, ich sähe
gut aus. Sie kam nun
öfter vorbei…

Ich beschloss, alle beide
zu behalten –
die eine, damit sie
mich krank machte
und schlank hielt,
und die andere, damit
sie mich mit Süßigkeiten
vollstopfte.

Doch ich vermasselte alles.
Ich lernte eine 30jährige
Geschiedene aus
Texas kennen
die aussah wie
Katharine Hepburn
und ich flog da runter
und sie machte mich bekannt
mit den Werken von
de Sade.

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