Aus dem Leben eines Außenseiters (2)

Aus dem Leben eines Außenseiters (2)

SLASH IGNORE

Manche Dinge lassen sich einfach
nicht erklären. Zum Beispiel musste
ich in meiner Schulzeit Unmengen
an Milch saufen.

Jeden Morgen stand da in der Klasse
so eine Schachtel mit Halbliterpackungen
Milch und es hieß, das ist gut für Dich,
also trink es.

Und ich soff brav das Zeug weg und lief
ständig mit Bauchschmerzen rum, worauf
sich keiner einen Reim machte und ich
am Allerwenigsten.

Manchmal hatte ich mehr und manchmal
hatte ich weniger Bauchschmerzen und
alle machten sich große Sorgen, aber niemand
hatte eine Idee.

Jahre später konnte ich erklären, was das für
Schmerzen waren und der Doc sagte, lass
doch mal die Milch sein und tatsächlich
war es das auch.

So war das. Niemand konnte es sich vorstellen,
dass die meisten Menschen eigentlich gar keine
Milch vertragen und nur, weil es schon immer Milch
gab, soffen wir sie.

*

THE MESSAGE

Ich suchte nach dem Fünfer, den
ich mir morgens im Laden in die
Hosentasche gestopft hatte, nachdem
ich das Wechselgeld kassierte und fand
ein Stück Papier, auf dem stand: „Ich
sehne mich nach mehr. Regentropfen
fallen nie gerade, dienstags hurtig abbiegen.

Saigon!“

Es war zweifelsohne meine Schrift
und die Notiz steckte da schon ewig
drin, ich hatte sie sogar schon mit
gewaschen und wenn ich genau
hinsah, hätte das Wort abbiegen auch
anschmiegen heißen können. Aber mir
fiel ums Verrecken nicht mehr ein,
warum ich das geschrieben hatte.

Es ist poetisch, im Regen sehnsuchtsvoll
an Saigon zu denken, aber es ist sicher
sehr ungemütlich und nass. Es war also nicht
mal für ein Gedicht brauchbar.

*

DIE VERWANDLUNG

Na, jedenfalls laufe ich die Landstraße lang und
meine Beine sind so schwer, dass ich mich nach
einer Bank in einem Biergarten sehne, auf der
ich ein kühles Helles zische und dann wieder den
Weg zum Tresen schaffe, um mir ein Zweites zu
gönnen, aber vielmehr ist nicht drin heute.

Und als ich so richtig lahm und müde bin, kommt
von hinten einer, der mich auf einem Elektrostuhl
auf vier Rädern überholt, der ist in meinem Alter
und hat einen Sonnenhut auf und soweit ich mich
erinnere, auch ein kühles Getränk am Lenker, wenn
es wahrscheinlich auch kein kühles Helles war.

Die Karre summt, als er an mir vorbeifährt, er
sieht sehr konzentriert aus, hält die Spur, fährt
stur geradeaus und am Ende der Straße setzt er
denn Blinker nach links und rollert auf eine
Einfahrt, die für zwei Trucks ausgereicht hätte und
von da aus direkt in eine riesige Garage.

Das Haus, zu dem die Garage gehört ist ebenso
riesig und ich vermute, dass man da drin oder
im Garten massenhaft Platz hätte für einen
gigantisch großen Biergarten und wahrscheinlich
hat so einer mehrere Fässer in seinem Keller,
trotzdem fühlen sich meine Beine jetzt federleicht an.

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