Aus dem Leben eines Außenseiters

Aus dem Leben eines Außenseiters

MIT 18

540 Mark im ersten Lehrjahr
und dazu 70 Mark Kindergeld
das mir meine Mutter
überließ und Handlangerarbeiten
brachten mir nochmal 200.

Das Zimmer mit Küche und Außenklo
ohne Warmwasser oder Heizung
machte 220, dazu Strom, Telefon,
Tageszeitung und Zigaretten.

Die Kohlen für den Ofen
waren umsonst, aber ich musste
sie in den Keller wuchten und dann
wieder hoch in die Wohnung.

Wie ich es schaffte, von den restlichen
400 Mark einen ganzen Monat lang

Lebensmittel einzukaufen,
ein Auto zu fahren,
in der Kneipe zu sitzen,
mir ab und an ein heißes Bad,
ein warmes Mittagessen,
Eintrittsgelder für Konzerte,
einen Klotz Haschisch und
all diese Parties zu leisten,
ist mir bis heute ein Rätsel.

*

DANKE

Manche sagen, sie können
mit dem Zeugs, das ich hier
schreibe, nichts anfangen.

Sie würden lieber Sachen
lesen, die schön sind
oder sich zumindest reimen.

Nun, mir fehlen die Kiffer
und die Säufer und die Nächte
und die Frauen auch nicht.

Obwohl mich gelegentlich
die Zeit einholt und ich
vom ein oder anderen höre.

Ich weiß es nicht, ob sie die
gemeinsamen Zeiten vermissen
oder bloß das Gefühl, das ich ihnen gab.

Ob sie begeistert oder stolz sind,
melancholisch werden oder überrascht
weil ich sie literarisch verewigt habe.

Jedenfalls müssen sie jetzt
klarkommen mit den Typen,
die ihnen nach mir begegneten.

In wilden Nächten, Abenteuern
oder zufälligen Begegnungen
konnten sie nicht ahnen,

dass sie Stoff abgaben, wie
ihn Bukowski auf keinen Fall
verschmäht hätte.

*

BLUBB

Es ist schon wichtig, dass du dir aufschreibst
was du gesehen oder getan oder gefühlt hast,
denn es tut dir gut und hilft dir, darüber klar
zu werden was du in deinem eigenen Leben
nicht auf die Reihe gekriegt hast und was
viel besser war, als
erwartet.

Natürlich liegt auch viel Witz, Wut und
Enttäuschung, ein bisschen Wahnsinn und
Angeberei in deinen Zeilen, aber es ist immer
noch besser, als in ein Glas Bier zu starren
und dabei die Bläschen zu zählen, wie sie
nacheinander an die Oberfläche blubbern,
wieder zerplatzen und Neue entstehen wie
all deine wunderbaren Frauen, die du hattest
und lieben durftest, die eine fort und die
Nächste erscheint und manche dieser Blasen
größer und andere zahlreich und klein, ja
schau sie dir nur alle mal an, zähle sie und
komisch, wie all deine Gefühle zerplatzen im
Schaum dieses goldgelben Bieres.

Schreib das auf!

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